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Armut in Hattingen und Deutschland

Armes Hattingen


WAZ online vom 14. Juni 2010: Armes Hattingen -
Vergleich der Kreisstädte zeigt: Hier wird am wenigsten verdient. Dritter Platz in der Armutsstudie.

Kreisverwaltung legt ersten Armutsbericht vor


Die Zahlen sind erschreckend. Jeder zwölfte Mensch im Ennepe-Ruhr-Kreis ist arm, kann ohne staatliche Unterstützung nicht leben. Was noch mehr zu denken gibt: 15,4 Prozent aller Kinder werden in Armut geboren. So steht es im Armutsbericht des Ennepe-Ruhr-Kreises, der jetzt vorgelegt wurde. Die Dunkelziffer dürfte noch wesentlich höher liegen. Viele Menschen schämen sich, die Ämter um Hilfe zu bitten.

Dabei gibt es im Kreisgebiet gravierende Unterschiede. Am stärksten ist die Armut im von der Industrie geprägten Witten mit 11,2 Prozent verbreitet. Danach kommt bereits - und das ist erstaunlich - die Kreisstadt Schwelm mit 10,6 Prozent. Auch Hattingen liegt mit 9,6 Prozent über dem Kreisdurchschnitt von 8,7 Prozent. Die wenigsten Probleme haben Breckerfeld mit 3,8 Prozent und Sprockhövel mit 4,3 Prozent. Bei der Kinderarmut hat Schwelm mit 20,1 Prozent sogar die traurige Führung übernommen. Aber auch in Witten (19,9 Prozent) wird fast jedes fünfte Kind in Armut geboren. Auch hier liegen Breckerfeld (5,9 Prozent) und Sprockhövel (7,4 Prozent) am Ende der Skala.

Senioren kommen mit Rente noch aus

Keine große Rolle spielt im Augenblick noch die Altersarmut im Kreisgebiet. Selbst in Witten, der am stärksten davon betroffenen Kommune, liegt die Quote der Menschen, die 65 Jahre und älter sind und auf die Hilfe des Staates angewiesen sind, bei 3,2 Prozent, also wesentlich unter dem Durchschnitt der Bevölkerung (11,2 Prozent). Schwelm liegt bei 2,6 Prozent, Ennepetal bei 2,2 Prozent und Gevelsberg bei 1,7 Prozent.

Auffällig ist, dass eine Stadt, die im Augenblick von der Armut weniger betroffen ist, ein anderes ernstes Problem hat. In Herdecke sind in den vergangenen zehn Jahren 19,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Jobs weggefallen. In Hattingen waren es 16,7 Prozent. Und damit hat auch das sonst in der Statistik so gut aussehende Breckerfeld ein Problem: Hier ging die Zahl der Beschäftigten, die in die Sozialversicherung einzahlen, um 16,2 Prozent zurück. Gevelsberg liegt mit minus 15,8 Prozent knapp dahinter. Schwelm meldet einen Rückgang um 9,7 Prozent und Ennepetal steht mit minus 1,1 Prozent noch am besten unter den Städten im Ennepe-Ruhr-Kreis da.

Einkommen schwanken stark

Der Armutsbericht deckt auch auf, dass die Einkommen im Kreis stark auseinander gehen. Am meisten wird in Ennepetal verdient. Dort verfügt ein privater Haushalt über 26.256 Euro im Jahr. Am anderen Ende der Skala liegt Hattingen mit 18.510 Euro. Dazwischen kommen Sprockhövel (26.192 Euro), Herdecke (25.452 Euro), Wetter (24.080 Euro), Schwelm (23.462 Euro), Breckerfeld (21.030 Euro), Gevelsberg (19.773 Euro) und Witten (18.899 Euro. Erstaunlich also: Ein Haushalt in Ennepetal verfügt pro Jahr über rund 6.500 Euro mehr als im benachbarten Gevelsberg.

Beträchtliche Unterschiede gibt es auch bei der Wohnfläche, die pro Person zur Verfügung stehen. Den meisten Platz in ihren heimischen vier Wänden haben mit 43,3 Quadratmetern laut Statistik die Sprockhöveler, den wenigsten mit 37,8 Quadratmeter die Hattinger. In Schwelm ist der durchschnittliche Wohnraum mit 37,9 Quadratmetern nur unwesentlich größer. Gevelsberg liegt bei 38,7 und Ennepetal bei 39,5 Quadratmetern. Das ist übrigens auch genau der Durchschnitt für alle Menschen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis leben.

Quelle: Westfälische Rundschau, Lokalausgabe Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal und Sprockhövel, Autor Klaus Bröking

Pressemitteilung des EN-Kreises zum Armutsbericht.

Auf der Seite des EN-Kreises steht der Armutsbericht als PDF-Datei zur Verfügung.
Hier können sie die PDF-Datei direkt runter laden.

Mai / Juni 2010: Risikofaktoren Armut - Auszug aus dem Armutsbericht des Ennepe-Ruhr-Kreises

WAZ online vom 14. Juni 2010: Armes Hattingen - Vergleich der Kreisstädte zeigt: Hier wird am wenigsten verdient Dritter Platz in der Armutsstudie.

Regelsatz ab April 2011


EN-Kreis. 364 statt 359 Euro, das Plus von 5 Euro für den Regelsatz des Arbeitslosengeldes II war politisch bereits seit einigen Wochen beschlossene Sache. Nachdem der Bundespräsident das Gesetz zur Neuregelung Ende letzter Woche unterzeichnet hat, es im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wurde und es damit auch faktisch in Kraft getreten ist, kann das Jobcenter EN die damit verbundenen Veränderungen umsetzen.

Für die rund 26.000 Menschen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis vom Jobcenter EN betreut werden, heißt das, dass sie die erhöhten Leistungen ab April erhalten. "Bereits unmittelbar nach Abschluss des Gesetzesverfahrens können wir den neuen Regelsatz an nahezu alle Leistungsempfänger auszahlen. Gleichzeitig gibt es die Nachzahlung für die Monate Januar bis März", kündigt Heiner Dürwald, Leiter des Jobcenters EN, an.

Gut aufgestellt sieht Dürwald das Jobcenter EN auch in Fragen und Anträgen rund um das so genannte Bildungs- und Teilhabepaket. "Obwohl hier noch nicht alle Verfahren definitiv feststehen und beispielsweise die Ausführungsregeln des Landes Nordrhein-Westfalen noch fehlen, sind wir ab sofort in der Lage, die Leistungen des Bildungspakets zu gewähren", macht er deutlich. Bereits seit Januar hatte das Jobcenter EN Anträge auf Übernahme von Ausgaben für Schulbedarf, Ausflüge, Schülerfahrten, Lernförderung, Mittagessen sowie Teilhabe an Sport und Kultur angenommen. "Darüber und über alle neuen Anträge können wir jetzt entscheiden", ist Dürwald über das Ende der Hängepartie erleichtert. Detaillierte Informationen über einzelne Leistungen des Bildungspaketes erhalten Betroffene in ihrer Regionalstelle des Jobcenters und im Internet unter.

Auch für Alleinerziehende und Schwangere können mit dem neuen Gesetz Veränderungen verbunden sein. "Dies hängt mit den Regelungen für die so genannten Mehrbedarfe zusammen. Auf davon Betroffene werden wir zugehen und die notwendigen Veränderungen vornehmen. Separate Anträge sind in diesen Fällen nicht notwendig", erklärt Dürwald.

Offizielle Strukturzahlen "Hartz IV" in Hattingen

In Hattingen leben mindestens 5.608 Menschen an der Armutsgrenze oder gar in Armut!
Das sind knapp 10 % unserer 56.263 Einwohner. (30.12.2009)

Daten mit Stichtag vom 28. Februar 2010:

- Grundsicherung für Arbeitssuchende: 4.930 Menschen
- Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit: 443 Menschen
- Hilfe zum Lebensunterhalt oder Hilfe zu besonderen Lebenslagen: 325 Menschen

In Hattingen ist die Zahl der Grundsicherungsbezieher/innen Jahr für Jahr angestiegen. Hierdurch wird deutlich, dass das Risiko "Altersarmut" in Hattingen wächst.
Quelle: Anlage 2 zur Drucksache 20/2010 zur Sitzung des Gesundheits- und Sozialausschusses vom 3. Februar 2010

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